B - Der Geheime Kommerzienrat

Szene B 2

Elisabeth springt über [Pos 10] Richtung Hof, macht Grimassen mit dem Publikum, findet dann einen noch nicht ganz geöffneten Fliegenpilz, zeigt ihren Fund dem Publikum, (Inzwischen setzt sich Friedrich in sein Arbeitszimmer und beginnt zu lesen/ schreiben/ rechnen) hüpft weiter und beginnt zu singen:

N° 07 Ich habe einen Schirm Text: Christa Eckert

||: Ich habe einen Schirm
den habe ich gefunden,
denn dieser kleine Schirm,
der war nicht angebunden. :||

GERHARD: Elisabeth?!

Elisabeth hüpft auf ihn zu:

Meister Gerhard, Elisabeth (Frank Möhring, Aileen Vu Duc 20030721)

ELISABETH: ... den habe ich gefunden ...

GERHARD: Der Pilz ist aber giftig!

ELISABETH: (lässt sich noch immer nicht stören) ...Ich habe einen Schirm...

GERHARD: fällt Elisabeth etwas schief in den Gesang:
Du hast da einen Hut
Den hast du grad gefunden,
denn dieser kleine Hut
der war nicht angebunden.

ELISABETH: (stutzt, sieht den Meister und den Pilz fragend an) Hä, ein Hut?

GERHARD: Ja, da staunst du. Was für dich wie ein Schirm aussieht, nennt man beim Pilz Kappe oder Hut.

ELISABETH: Tatsächlich. Jetzt sehe ich es auch. Sieht aus wie ein weißer Mann mit einem riesengroßen Hut. Und was für ein schöner! Rot mit weißen Punkten...

Arbeiter, Garniererin (Karsten Jando, Isabell Gruchot 20030721)

GERHARD: Vielleicht haben die ersten Hutmacher sich an den Pilzen ein Beispiel genommen, ihnen den Hut abgeguckt? Findet den verschnittenen Stumpen neben der Bank Siehst du, die gleiche Form wie bei deinem Pilz.

Pantomimisch sieht man Martha und Hannes von Friedrich eine Geldkatze und eine Bibel erhalten.
Elisabeth will sich die Pilzkappe aufsetzen.

GERHARD: Ne, laß mal. Wirf das giftige Ding weg und wasch dir die Hände. Marsch, ins Pförtnerhaus.

Meister und Elisabeth verschwinden über [Pos 3]
Martha und Hannes kommen verspätet auf den Hof. Aufmerksamkeit wendet sich ihnen zu:

Arbeiter, Garniererinnen (20030721)

Arbeiter 1: Muss Liebe schön sein!

Buerokraft: Sei bloß still. Das ist doch blanker Neid. Hättest die Martha ja auch gern gehabt, nicht wahr?

Arbeiter 1: Quatsch. Gleich ins Ehejoch. Das wäre ja noch schöner. Guckt euch doch die beiden an. Jetzt haben sie sich zum fressen gern. Und in einem Jahr? Bereuen Sie es, dass sie es nicht gemacht haben. Ich genieße meine Freiheit!

Martha: Wir haben gerade 15 Mark Hochzeitsgeld vom Herrn Geheimrat bekommen. Hört zu, heute abend, wenn die Chorprobe ist und der Jung-Geselle seinen Spitznamen kriegt, dann geben wir auf unsere Hochzeit ein Bier aus.

Alle: Schenkelklopfer (à Choreografie)

||: Ein Korn, ein Bier – das rat ich dir.
Ein Bier, ein Korn – und jetzt von vorn. :||

Endet im Gejohle.

Arbeiter, Garniererinnen (Jana Möller, Karsten Jando, Isabell Gruchot, Stefen Göbel, Doreen Miersch 20030728)

HANNES: Vielleicht muss der Jung-Geselle noch was drauflegen, dann reicht es auch für einen Korn und eine Wurst.

Hannes und Martha setzen sich ebenfalls. Meister und Elisabeth kommen wieder aus dem Pförtnerhaus und setzen sich auf die Bank. Elisabeth will sich den Stumpen aufsetzen.

Meister Gerhard, Elisabeth (Frank Möhring, Aileen Vu Duc 20030721)

GERHARD: Ne ne, laß mal. Der ist noch lange nicht fertig. Da muss noch allerhand dran gemacht werden. Wenn ich mal mehr Zeit habe, erkläre ich dir jede Maschine.

ELISABETH: Das hat Großvater schon gemacht. Aber mir ist das alles zu laut da drin und zu dampfig und zu staubig. Immerzu musste ich husten und niesen.

GERHARD: Wenn du älter bist, merkst du es nicht mehr so. Der Herr Geheimrat und dein Vater tun ja alles mögliche, das wir vor Staub und den feinen herumfliegenden Härchen geschützt werden. Siehst du (zeigt nach oben), die Krempelei, wo das meiste herumfliegt, hat große Fenster im Dach. Da zieht viel ab. Außerdem wird ganz fein kaltes Wasser in die Luft versprüht und reinigt sie. Dein Großvater ist schon in Ordnung.

Ein Arbeiterin kommt über [Pos 11] auf Krücken mit Gipsbein bis maximal oberste Treppenstufe daher. Grüßt den Meister.

Amalie, Meister Gerhard, Elisabeth (Mandy Schurig, Frank Möhring, Aileen Vu Duc20030721)

AMALIE: Hallo Gerhard, altes Haus.

GERHARD: Hallo Amalie, wie geht's?

AMALIE: Danke. Geht schon wieder. Ich denke, der Arzt befreit mich bald vom Gips.

GERHARD: Na, dann sehen wir uns ja in Kürze wieder bei der Arbeit...

AMALIE: Klar. Einstweilen gute Verrichtung!

Geht über [Pos 7] ab. Gerhard hat derweil einen Apfel und sein Taschenmesser herausgeholt und schält den Apfel.

GERHARD:Siehst du, Elisabeth. Amalie kann zu Hause bleiben, bis er den Gips abgenommen kriegt. Solange zahlt ihm die Invalidenkasse, die der Herr Geheimrat eingerichtet hat, ein paar Mark. So muss er nicht hungern in der Zeit, in der er nicht verdienen kann. Und die Kosten für den Arzt übernimmt die Betriebskrankenkasse. Auch eine Erfindung vom Herrn Geheimrat.

ELISABETH: Warum sagst du immer “Geheimrat” zum Großvater?

Meister Gerhard, Elisabeth (Frank Möhring, Aileen Vu Duc 20030721)

GERHARD: Das kannst du ihn doch selbst fragen. Weil er so viel für unsere Stadt getan hat, wurde ihm dieser Titel verliehen – “Geheimer Kommerzienrat”. Hört sich gut an, was? Das “geheim” hat er bekommen, weil es ehrenhalber ist; und ein “Kommerzienrat” ist ein großer Kaufmann, ein erfolgreicher Händler. Aber er hat auch unsere Stadt in aller Welt bekannt gemacht. Wir beziehen unsere Wolle aus fernen Ländern und schicken unsere Hüte überall hin. Sogar mit Schiffen über den großen Ozean... – da fällt mir ein, dass wir den Posten für Zimmermannshüte noch fertig machen müssen. Zieht eine Uhr aus der Hosentasche, blickt kurz darauf und ruft zu den Arbeitern: Pause ist um. Los, an die Arbeit. Machs gut, Elisabeth, ich muss jetzt auch gehen.

Friedrich (Max Noak 20030721)

ELISABETH: Auf Wiedersehen, Meister Gerhard...

FRIEDRICH: Kommt aus seinem Arbeitszimmer Hallo, Elisabeth. Hast du dich gebildet?

ELISABETH: Rutscht von der Bank und verbeugt sich tief Herr Geheimrat, ich grüße sie.

FRIEDRICH: Was ist denn in dich gefahren?

ELISABETH: Im Davonspringen [Pos 1] Es ist mir eine Ehre, sie zu kennen, Herr Geheimer Kommerzienrat.

FRIEDRICH: Flausen, nichts als Flausen...

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Ende Szene B 2

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