Chronik

“Zusammensetz-Probe” 26. April 2003

Abschluss des Probencamps für “Friedrich -Das Hutical” ist am Samstag in der Gubener Klosterkirche eine “Zusammensetz-Probe”. Vorangegangen ist eine Andacht im Gedenken an die Schüler und Lehrer, die vor genau einem Jahr im Erfurter Amoklauf getötet worden sind.

Die Besucher sind eingeladen, der Probe beizuwohnen. Erstmals setzen sich die vom 22. bis 26. April einzeln geprobte Szenen zusammen.

Mit viel Spielfreude verwandelt sich im Prolog ein Stumpen zum goldgedreßten Hut, während Beatrice Mitschke das bekannte Gedicht von Christian Fürchtegott Gellert recitiert/ deklamiert/ sinniert, immer unterbrochen vom "Senf, den das Volk hinzugibt".

Carl-Gottlob (Martin Schneider) versteht es tatsächlich, einem Besucher einen Hut zu verkaufen. Für das Stück allerdings wäre es besser, wenn er es nicht geschafft hätte, dann wäre sein folgender Ärger über die sparsame Kundschaft echter. Unser Friedrich (Max Noak) hat sich enorm weiterentwickelt. Er füllt seine langen Textpartien mit Leben, sein Singen ist sicherer geworden.

Obwohl Familienfeste an diesem Samstag einige Darsteller verhindern, hat die ständige Rotation bei den Proben dazu geführt, daß "Ersatzleute" unauffällig in Rollen der anderen schlüpfen, auch das ein positives Plus für unvorhergesehene Ausfälle. So zum Beispiel verkörpert Mandy Schurig nicht mehr nur einen tanzenden Hutständer und eine humpelnde Arbeiterin, sondern übernimmt auch die Rolle der Margit, welche Elisabeth bei einem Kakao Naemis kurze Lebensgeschichte schildert. Der Großteil der Darsteller beherrscht den Text, obwohl ab und zu noch ein Manuskripte auftaucht (vor allem hinter dem Rücken).

Elisabeth, Friedrichs Enkelin, ist doppelt besetzt. Doch es gibt keine "bessere" oder "schlechtere" Darstellerin, denn Aileen Vu Duc und Nancy Hilbrich verleihen der Figur jeweils ihre persönliche Note. Sowohl Isabell Gruchot als auch Frank Möhring demonstrieren, dass man aus sich herauskommen kann und auch mal ein Schmunzeln der anderen an sich vorbeigehen lassen sollte.

Vieles wirkt optisch bereits sehr ansprechend, da die Requisiten bereitliegen (und stehen). Selbst viele Kostüme sind im Raum, aber wegen der relativen Kühle spielt nur unser “Jung-Geselle” Jens komplett verkleidet. Die durch ein Geschenk der Hannoverschen Familie Lehmann ergänzte Lichtanlage (bereits im vergangenen Jahr unterstützte uns Familie Lehman mit Funkmikrofonen) und die aufgebaute Tontechnik geben einen Vorgeschmack auf das endgültige Ergebnis.

Musikalisch ist dieser Abend eine Entdeckung. Lothar Rosengarten hat seit über vier Wochen seinen "Wohnsitz" in das Studio verlegt und jetzt einen Rohmix vorgelegt. Was da in langen Nächten entstanden ist, ist tatsächlich Musical-Musik und nicht die bloße Begleitung von Liedern. Vom Anranzer (”Was wißt ihr schon vom guten Hut“) über das Hochzeits-Chorlied (“Wenn unsre Lieder euch zu Herzen gehen”) bis zur emotionalen Explosion der Mutter von Naemi nach deren Tod (”Träume, die zerschlagen werden“) hat jeder Song ein eigenes Gesicht bekommen und treibt die Handlung voran, erzählt und vertieft musikalisch die gespielten Bilder.

So feilen wir auch an diesem Abend noch an Einzelheiten, aber das Prinzip unseres Huticals haben wir in dieser Woche Stück für Stück, Tag für Tag und Stunde für Stunde selbst erarbeitet. Wir verabreden uns zu einem zusätzlichen Singetraining, dann sind fünf harte Ferientage zu Ende. Jetzt noch die letzten Kostüme besorgen, die Bühne bauen, Plakate und Eintrittskarten drucken, die CD einsingen/ einspielen (hier unterstützen uns inzwischen echte Profis vom Staatstheater...), mixen und mastern und Cover entwickeln..., nebenbei noch Schule und Arbeit - und da gibt es ernsthaft Leute, denen langweilig ist? Dankbar sind wir jedenfalls für die viele Unterstützung, ohne die unser Projekt nie soweit vorangekommen wäre.

Wer uns unterstützen möchte, besucht einfach eine der Vorstellungen am 07., 21. oder 28. Juni im Gubener Ludwig A. Meyer-Haus, denn nichts wäre schöner als zu sehen, daß wir ihnen mit unserer Geschichte ein wenig Freude machen könnten. Internet-user finden hier demnächst auch das Quiz zur Geschichte und ein Formular zur Ticket - Reservierung.

Jana Möller, Antoinette Eckert, Andreas Eckert, Guben den 26. April 2003

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